01 Juli 2020

Tarot 11. Die Kraft



Rhapsodie über die Freiheit, das Ungeliebte zu lieben 






Statt Prolog

„Wer mit Ungeheuern kämpfe, möge zusehen, dass er nicht selbst zum
 Ungeheuer wird“.
                                                             frei nach Nietzsche




11. Die Kraft
oder Rhapsodie über die Freiheit, das Ungeliebte zu lieben 



Die Blüte erhebt sich von unten und geht ihren Weg nach oben.
Unumkehrbar!
Sie ist noch ganz am Anfang.
Noch berührt der Himmel die Erde, noch stecken die Wörter in den Kinderschuhen.
 Die Welt ist rein und eins.
Noch umarmen sich das Lachen und das Weinen, wie der Tag mit der Nacht.

Das Wissen ist noch nicht geboren, die Liebe grenzenlos.
Die Schmetterlingsflügel sind das größte aller Weltenwunder.
Noch fühle ich, noch bin ich süß.
Winzig klein.

Bitter schmeckt die Süße, wenn die Vergangenheit vor der Tür steht und um
 Gehör bittet. Noch ahne ich nicht, es werden Dramen kommen, die mein Leben
 durcheinander bringen. Noch weiß ich nichts über die, die schon geschehen sind
 und das Leben derer, die vor mir waren, durchgerissen haben. Noch weiß ich
 nicht, es gibt eine Vergangenheit und eine Zukunft, die tiefen Wurzeln und die
 reifen Früchte.
Ich ahne nicht, wie bitter die Süße fortan schmecken wird.

Es beginnt im Unsichtbaren.

In einer Zeit, in der die Träume der Sonne und des Strandes Name tragen, 
nehmen Gestalt die Tage, die nie vergehen werden.
Das Lachen und das Weinen, die Freude und der Schmerz,
 Abenteuer, die verboten waren, Sand unter den Füßen, Wasser und die Sonne 
auf der Haut, nie enden wollende Sommertage.
Die Freude schmeckt nach Strand und Wasser, es leuchtet das Blau 
des Himmels.

Gesichter der Liebe malen sich die Kinderaugen aus.
 Können das Lieblingsessen und das neue Kleid die Liebe sein?
So viel und doch so wenig.
 Traurig schmecken lieblose Worte, die Hand, die sich vergisst, wiegt mehr als
 eine schwere Last. Zeit der Glückseligkeit und der Leichtigkeit hinterlässt tiefe
 Narben. Tränen, die nie geflossen sind, werden zu Steinen.
Manchmal kann nur die Phantasie das Leben retten!

Bewahre die Tränen nicht, mögen sie frei sein!

Der Sommer lässt das Licht und die Leichtigkeit in uns hineinfließen,
damit wir durchflutet und gesättigt, uns an die Unbeschwertheit jener Tage
 erinnern, sie durch die Zeit hindurch in uns bewahren und nie aus den
 Augen verlieren.
Die Unbeschwertheit und die Leichtigkeit der bunten Tage, die nicht enden
 wollen, sollte uns heilig sein!

Die Blüte erhebt sich von unten und geht ihren Weg nach oben.
Im Dunkeln erwecken die vergessenen Bilder zum Leben.
Es beginnt im Unsichtbaren, bevor es sichtbar wird, bevor es sich wandelt.
Das Geheimnis ist, die Wandlung zulassen und begreifen, dass wir in
 Wirklichkeit schon immer da sind, wo die Zeit keine Uhren kennt,
wo es nie zu spät ist, hinter den Masken und hinter den Rollen, die wir zu spielen
 gelernt haben. Da gibt es weder Vergangenheit noch Zukunft.
Die Erinnerung an das Dunkle verändert sich und die Sehnsucht nach dem
 Hellen lässt nach.
Die Wandlung beginnt.
Das Lachen und das Weinen umarmen sich wieder ganz innig und der Tag 
küsst die Nacht.

Unsichtbare Tore gewähren Einlass zu dem Zufluchtsort und die Spuren dorthin
 folgen immer dieser vertrauten Melodie.
Die alten Unsicherheitsgefühle, die alte Scham, der alte Schmerz.
Tief in dem Brunnen der Vergangenheit verborgen leben Erinnerungen, die zu
einer zweiten Haut geworden sind.
Die alten Verletzungen, die Traurigkeit und der Zorn endlos wiederbelebt,
  heiliggesprochen und mit ganzer Kraft am Leben gehalten, werden zu einem
 Panzer, zu einer unsichtbaren Waffe.
Hinter den Erinnerungen lauert das Unbekannte.

Die mächtigen Kräfte des Schicksals warten im Verborgenen, die tiefen
Wasser weisen den Weg zu dem unsichtbaren Eingang im geheimen Garten.
 Dort wirken die Zauberkräfte, dort öffnen betörende Blüten die Tore zu den 
tiefsten Gefühlen, zu dem magischen Brunnen.
Aus dem Brunnen entspringen die Wurzeln.
Verwickelte Gänge und schwer erreichbare Räume voller Verstrickungen
und Ungelöstes lassen nur die Mutigsten rein.
An den Toren zu den Wurzeln bewahren Drachen und Dämonen mit
 unsichtbarer Tinte geschriebene Skripte.

Wir schlüpfen in fremde Rollen und wir wissen es nicht.
Es ist lange her, als die Skripte geschrieben worden sind. Niemand 
hatte sie je zu Gesicht bekommen, niemand hatte sie je gelesen und doch,
meisterhaft beherrschen wir auf den Leib geschriebene Rollen.
In den Wurzeln der Vergangenheit wird die Zukunft geschrieben.
Immer ist Anfang.

Noch berührt der Himmel die Erde, noch stecken die Wörter in den
 Kinderschuhen. Die Welt ist rein und eins.
Noch umarmen sich das Lachen und das Weinen, wie der Tag mit der Nacht.

„Lass es sein, bleibe hier, hier kann Dir nichts passieren, hier kennst Du alles,
 traue nicht dem Unbekannten, wer weiß, was geschieht.
… bleibe hier, lass es sein...“
Die Fassade bricht und Du siehst das nicht und Du merkst das nicht.
Jeder Schritt und jedes Wort tut einmal mehr weh.
 Abgrundtief ist die Grenze des Schmerzes.

Ich bin ein kleines Kind und so viel Schuld lastet schon an mir.
Ich bin schuldig, weil ich nicht ein Junge bin und ich bin schuldig, 
weil ich nicht ein Mädchen bin.
Ich bin schuldig, weil ich anders bin, anders als die anderen Kinder.
Ich bin schuldig, weil ich kein Vorzeigekind bin.
Ich bin schuldig, weil ich es bin.
Ich bin schuldig, weil sonst niemand da ist.

Verzeih mir, denn ich verzeihe mir nie, dass ich schuldig bin.
Ich vergesse es nie, es wird mich quälen, und wenn ich erwachsen bin,
werden diese Bilder mich verfolgen.
Ich werde sie nicht los.
Jahre und jahrzehntelang werde ich davonlaufen, versuchen der Schuld 
zu entfliehen, sie zu vergessen, ganz tief zu vergraben.
Es gibt kein Entrinnen.
Die Bilder in meinem Kopf haben ihr eigenes Leben.
Erst spät werde ich erfahren, warum sie so große Macht über mich haben.
 Erst spät werde ich verstehen, dass ich unschuldig bin.
Von Anfang an.

Mama!
Du kannst den Lauf des Schicksals verändern.
Hilf mir, gib mir Deine Hand...

Bitte, bewahre Dein Lächeln für mich, es kann mein Leben retten,
es kostet Dich nichts.
Mama!
Befreie mich von dieser Quälerei!
Bitte, gib mir nicht die Schuld für Deine nicht erfühlte Hoffnungen, für Dein
 nicht erfülltes Leben, ich bin ein kleines Kind!
Sehe mich!

Mama!
Bitte, sag mir nicht, wer ich bin.
Sag mir nicht, wer ich sein soll.
Sag es nicht, dass andere Kinder besser sind!
Sag es nicht, was ich alles nicht kann.
Ich bin es, schau mich bitte an, schenke mir Dein Lächeln,
gib mir Deine Hand.
 Ich fühle mich so allein!
Allein ohne Dich, auch wenn Du neben mir sitzt.

Mama, ich habe Angst.
Hilf mir.
Nimm mir diese Bilder aus dem Kopf.
Umarme mich.
Schenke mir Dein Lächeln.

Papa!
Was würde ich geben, um Dich so zu nennen!
Um mich auf Dich zu freuen.
 Über Dich zu erzählen, wie andere Kinder es tun.
Es war mir nicht gegeben!
Ich lernte die Wörter zu verstecken und mit dem Schweigen fehlerfrei
 umzugehen.

Papa!
Du warst nie da, und wenn Du da warst, warst Du trotzdem woanders.
Ich vermisse Dich, ich vermisse Deinen starken Rücken!
Das habe ich nicht gekannt.
Du hast mir keine Wurzeln gegeben, mich meiner Kraft beraubt,
meine Welt klein gemacht.
Die Verantwortung lässt sich nicht abgeben.
Manchmal kann nur die Phantasie das Leben retten!

Papa!
Du hast mir den Abgrund gezeigt.
War das Dein Erbe an mich?
Das Geschenk, was ich nie haben wollte?
Die Kraft aus dem NICHTS?

NICHTS kann es nicht geben.

Im Abgrund sind die Lebenssäfte gefangen.
Die Mächte des Schicksals warten im Verborgenen, die tiefen
Narben weisen den Weg zu den magischen Brunnen. Dort wirken die
 Zauberkräfte, dort wachsen seltene Pflanzen, dort führt ein Blütenmeer
zu den tiefsten Gefühlen. 
Aus dem Brunnen entspringen die Wurzeln.
Dort bewahren Drachen und Dämonen mit unsichtbarer Tinte geschriebene
 Skripte.

Ich sah, Drachen hatten Engelsflügel und in deren Antlitz erkannte ich mein
 eigenes Gesicht.
Aus der Nähe sehen Dinge anders aus.
Jetzt weiß ich, dem Abgrund will ich mich stellen, das Erbe will ich annehmen.
 Hinschauen will ich darauf, was mir gegeben worden ist.
Auch die Blüte sucht sich die Vergangenheit nicht aus, sie kann nur aus ihren
 eigenen Samen Wurzeln schlagen und nach oben wachsen.
Sie begehrt andere Blüten nicht um deren Samen und sie ist nicht traurig, 
weil ihre Blüten nicht so sind, wie die der anderen Pflanzen.

 Kein NICHTS, keine schwarze Schlucht und keine Leere, stattdessen wurden
die unsichtbaren Skripte sichtbar.
Vor den Toren zu den tiefsten Gefühlen habe ich Lichter im Abgrund gesehen!
In den Wurzeln der Vergangenheit wird die Zukunft geschrieben.

 Die Schmetterlinge fliegen wieder.

Grażyna Jansen






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Ich freue mich auf Euch!





Grażyna
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